Urlaub in Vietnam: Hanoi

von Günter Schneider 2. Juli 2016 03:35

Vergangenen Herbst nutzten wir das Mid-Autumn Festival Ende September sowie die National Holidays in der ersten Oktoberwoche wieder einmal für ein paar Tage Urlaub in Asien. Und da ich dort schon längst einmal hin wollte, fiel die Entscheidung diesmal auf Vietnam – um genau zu sein erst ein paar Tage in Hanoi, dem “Paris des Ostens”, und danach noch weiter südlich nach Hoi An. Aber der Reihe nach! 

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Die Einreise nach Vietnam, eines der wenigen verbleibenden, zumindest offiziell kommunistischen Länder der Welt, gestaltete sich ausgesprochen unkompliziert, da das erforderliche Visum einfach bei der Einreise gelöst wird. Interessant war allerdings, dass es dabei für Tianyan einen etwas anderen Prozess gab, da sich Vietnam weigert, in einen chinesischen Pass das Visum zu stempeln. Dieser zeigt nämlich eine Landkarte Chinas, mit der Vietnam – aufgrund einer Insel-Konflikte – nicht zu 100% einverstanden ist. 

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In Hanoi, mit über 7 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Vietnams und die älteste (seit dem Jahr 1010) noch bestehende Hauptstadt Südostasiens, fiel unsere Wahl auf das Sofitel Legend Metropole Hanoi, einem 1901 im französischen Kolonialstil eröffneten 5-Sterne-Hotel - sicherlich eines der allerbesten Hotels, in denen ich je gewohnt habe!

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Angefangen bei der Begrüßung auf französisch, dem wunderbar aufmerksamen Personal, dem tollen französisch-vietnamesischen Frühstück (bei dem Champagner natürlich nicht fehlen durfte) bis zu den leckeren Cocktails am Pool war alles einfach perfekt. Das Gebäude selbst atmet an jeder Ecke Geschichte pur: so verbrachte dort Charles Chaplin seine Flitterwochen mit Paulette Goddard, Graham Greene und Somerset Maugham schrieben im Hotel jeweils einen ihrer berühmten Romane und eine lange Liste an Königen und Präsidenten genossen dort so wie wir mehrere Nächte.

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Während des Vietnam-Krieges verfügte das Hotel über einen eigenen Bunker für seine Gäste, der bei Renovierungsarbeiten nach der Übernahme durch die französische Sofitel-Gruppe wieder entdeckt wurde. Dieser Bunker kann heute als Höhepunkt einer sehr gut gemachten Führung durch das Haus besichtigt werden. 1972 nahmen dort unter anderem auch Jane Fonda sowie die amerikanische Sängerin Joan Baez Zuflucht, die damals auch ihren Song “Where are you now, my son? “ aufnahm – mit einem Luftangriff der amerikanischen Streitkräfte im Hintergrund… Von ihr stammt übrigens auch das Gemälde am Foto links.

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Hanoi ist aber natürlich nicht nur kolonialer Luxus – sondern vor allem Street Food, das um nur wenig Geld für echte Geschmacksexplosionen am Gaumen sorgt!

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Überhaupt spielt sich das Leben in Hanoi auf und an den Straßen ab, wo es vor Mofas und Mopeds nur so wimmelt.

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Das Überqueren einer Straße erscheint dabei oft unmöglich – aber irgendwie geht sich dann doch immer alles aus. Denn Hanoi erscheint zwar auf den ersten Blick etwas hektisch, ist aber in Wirklichkeit eine sehr entspannte Stadt, die ihren ganz eigenen Rhythmus hat. Ganz nach meinem Geschmack!

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Insbesondere abends füllen sich die Straßen. Da offenbar die wenigsten Wohnungen klimatisiert sind  - und vielleicht nicht einmal über einen Fernseher verfügen? – sitzen alle Menschen draußen auf winzig kleinen Plastiksesseln, um gemeinsam zu essen, trinken, singen und lachen. Eine tolle Atmosphäre – könnte mir gut vorstellen, dort mal eine Zeit lang zu leben.

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Vietnamesisches Bier schmeckt erfrischend leicht und passt hervorragend zum Essen dazu. Unbedingt probieren sollte man auch Vietnamese Coffee, insbesondere in der eisgekühlten Variante: Dabei handelt es sich um starken schwarzen Kaffee mit viel Eis, der im Glas serviert wird. Am Boden des Glases befindet sich eine etwa 1 cm dicke Schicht süßer Kondensmilch, die je nach Geschmack in den Kaffee gerührt wird. Bei mir verging in Vietnam kein Tag, ohne dass ich davon gleich mehrere Portionen hatte. So gut!!

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Neben hervorragendem Street Food gibt selbstverständlich auch zahlreiche Gelegenheit für Fine Dining – auch gut (und noch immer im Vergleich spottbillig).

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An klassischen Sehenswürdigkeiten hat Hanoi auch einiges zu bieten. An sich schon ein Erlebnis ist die Altstadt mit ihren vielen kleinen Gassen, wo es an jeder Ecke was Neues zu erleben bzw. probieren gibt. Auch toll ist ein Spaziergang um den Hoan-Kiem-See, was so viel wie “See des zurückgebenen Schwertes” heißt.

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Anfang des 15. Jahrhunderts, während der chinesischen Besatzung, übergab der Sage nach eine riesige, im See lebende, goldene Schildkröte dem armen Fischer Le Loi ein magisches Schwert, welches ihn unbesiegbar machte. Er benutzte das Zauberschwert, um in einem erbitterten Kampf (1418–1428) die Truppen der Ming-Dynastie vernichtend zu schlagen, und wurde im Jahre 1428 König. Nach der Siegesparade begab sich der junge König zum See, um den Göttern zu danken. Da tauchte die goldene Schildkröte erneut auf und forderte das Schwert zurück. Bevor Le Loi sich entscheiden konnte, löste sich plötzlich das Schwert aus der Scheide, stieg zum Himmel empor und verwandelte sich in einen großen Drachen, der über dem See schwebte und dann in die Tiefe stürzte.

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Aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an dieses Ereignis ließ Le Loi auf einer kleinen Insel in der Mitte des Sees den dreistöckigen Schildkröten–Turm errichten, der bis heute das Wahrzeichen Hanois ist.

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1968 wurde tatsächlich eine 2,10 m lange und 250 kg schwere Schildkröte aus dem See geborgen, welche etwa 400 Jahre alt gewesen sein soll. Sie ist präpariert in einem Glaskasten im Jadeberg–Tempel ausgestellt.

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Der Jadeberg-Tempel befindet sich auf einer kleinen Insel, auf die die The-Huc-Brücke führt. Der Tempel hat alle Attribute eines chinesischen Tempels, was einigermaßen erstaunlich ist angesichts der Tatsache, dass damit ja gerade der Sieg über die chinesische Ming-Dynastie gefeiert werden sollte. Aber offenbar gelang es Vietnam zwar, seine staatliche Unabhängigkeit zu erhalten (diese sollte erst später an die Franzosen verloren gehen), aber der kulturellen Hegemonie Chinas konnten sie sich nicht entziehen.

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Die älteste Kirche Hanois ist die von den Franzosen 1886 im Stile der Pariser Notre Dame errichtete Kathedrale St. Joseph. Nach der Übernahme Nordvietnams durch die Kommunisten wurde die Kirche enteignet und für Jahrzehnte geschlossen. Erst seit Weihnachten 1990 sind hier wieder Messen für die etwa vier Millionen Katholiken Vietnams erlaubt.

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Nach ein paar wunderbaren (und sehr heißen) Tagen in Hanoi machten wir uns per Taxi wieder auf den Weg zum Flughafen, um von dort einen Inlandsflug nach Danang zu besteigen, das weiter südlich an der Küste liegt – etwa auf halbem Weg zwischen Hanoi und Ho Chi Minh City, dem alten Saigon. Um zum Flughafen zu gelangen, überquert man die eindrucksvolle Chuong Duong Brücke, die vor allem nach Einbruch der Dunkelheit von zahlreichen verliebten Pärchen auf ihren Rollern für ein bisschen Romantik aufgesucht wird…

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Auch etwas, das man in China so nicht sieht: Während in China noch immer viele Mädchen einen Sonnenschirm verwenden, um die Haut möglichst blass zu erhalten, wird in Hanoi einfach der gesamte Oberkörper – inklusive Gesicht und Hände – verhüllt. Wie auch immer, wenn’s hilft?!?

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